Klinik


Klinik und Poliklinik für
Psychiatrie,
Psychosomatik und
Psychotherapie

Univ.-Prof. Dr. J. Deckert


Was ist eine Abhängigkeitserkrankung?

Entsprechend der Kriterien der Internationalen Klassifikation von Erkrankungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der aktuellen Version (ICD-10) ist eine Sucht oder nach neuem Sprachgebrauch Abhängigkeitserkrankung durch sechs verschiedene Symptome definiert. Zum einen besteht ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol oder eine andere Substanz zu konsumieren. Darüber hinaus liegt eine verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums vor. Eine zunehmende Toleranz bezüglich der Substanz führt dazu, dass immer größere Mengen konsumiert werden. Hierüber werden andere Interessen beruflicher, privater oder familiärer Art dadurch vernachlässigt, dass ein erhöhter Zeitaufwand besteht, um den Alkohol oder eine andere Substanz zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von den Folgen des Konsums zu erholen. Dieser Konsum wird selbst dann fortgesetzt, wenn durch ihn bereits eindeutig nachweisbare schädliche Auswirkungen wie z.B. eine Leberschädigung eingesetzt haben. Wird schließlich versucht, den Konsum zu beenden oder auch nur zu reduzieren, tritt ein körperliches Entzugssyndrom auf. Von einer Abhängigkeitserkrankung sprechen wir, wenn nur drei dieser Symptome innerhalb eines Jahres vorliegen. Darüber hinaus gibt es auch eine stoffungebundene Abhängigkeit von bestimmten Verhaltensweisen wie Spiel- oder Internetsucht, auf die die gleichen Kriterien anwendbar sind.

Unser Behandlungsangebot

Unser Behandlungsschwerpunkt richtet sich an Patienten, die an einer Alkohol- und/oder Medikamentenabhängigkeit leiden. Auch Abhängigkeit von illegalen Drogen außer Heroin behandeln wir. In dem genannten Rahmen können wir Sie auch in ein Rauchentwöhnungsprogramm vermitteln. Bei stoffungebundener Abhängigkeit („Verhaltenssüchte“) stellen wir den Kontakt zu unserer Psychotherapiestation her, bei Entzug von medizinisch verordneten Schmerz- oder Schlafmitteln den zu unserer Depressionsstation. Unser Angebot umfasst eine Schwerpunktstation mit angegliederter Spezialambulanz und bietet in diesem Rahmen auch ein ambulantes nachstationäres Programm (Ambulantes Stützprogramm mit Integrationsgruppe) an.

Fachambulanz für Suchterkrankungen

Die Sprechstunden finden montags bis donnerstags von 13.00-15.00 Uhr statt (Termine nach Vereinbarung). Wir bitten Sie, Ihre Krankenkassenkarte oder eine Überweisung von Ihrem Hausarzt mitzubringen. Darüber hinaus bieten wir eine unverbindliche telefonische Sprechtunde wochentäglich außer mittwochs von 10.00 bis 11.00 Uhr an (Rufnummer 0931 201 76376)

Schwerpunktstation für Suchterkrankungen

Station 4-West Tel.: 0931/201-76300
21 stationäre Behandlungsplätze PS_4West@ukw.de

Vorgespräch


Die Aufnahme erfolgt nach einem ärztlichen Vorgespräch. Hierbei werden die Behandlungsmöglichkeiten besprochen und es wird ein individuelles störungsspezisches Therapieangebot erstellt. Ziel ist dabei, einen frühzeitigen Behandlungsbeginn zu ermöglichen. Für die Anmeldung stehen Ihnen die Telefonnummern 0931/201-76300 (Stationszimmer) oder 0931/ 201-76050 zur Verfügung.


Modul 1: Krisenintervention (Dauer: einige Tage bis max. zwei Wochen):
Die Kriseninervention ist im Notfall jederzeit möglich. Sie beginnt unter Umständen bei starker Intoxikation auf unserer Intensivstation. Wie im folgenden Abschnitt beschrieben, erfolgt nach einem ausführlichen Aufnahmegespräch eine umfassende körperliche und psychologische Untersuchung einschließlich einer apparativen Zusatzdiagnostik (EKG, Labor). Hierbei werden die Problemfelder psychischer, körperlicher oder sozialer Art identifiziert und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet und auch vermittelt. Die Krisenintervention beinhaltet die Durchführung einer Entgiftung, Information über darüberhinausgehende Therapieangebote zur Aufrechterhaltung der Abstinenz (Suchtberatungsstellen, Selbsthilfegruppen, weiterführende qualifizierte Entzugsbeghandlung). Die Krisenintervention ist eine Akutmaßnahme, die im Notfall auch ohne Vorgespräch erfolgen kann. Sie ist die Erstmaßnahme bei akuten Intoxikationen oder auch bei Rückfällen von Patienten, die in der zurückliegenden Zeit das qualifizierte Entzugsprogramm schon durchlaufen haben. Sie dauert maximal zwei Wochen. 


Modul 2: Qualifizierter Entzug (14 – 21 Tage):

In einem medizinisch ganzheitlichen Ansatz werden in der Eingangsphase nach einem ausführlichen Aufnahmegespräch (Anamnese) eine umfassende körperliche und psychologische Untersuchung durchgeführt. Es schließt sich in jedem Fall eine elektrokardiographische Untersuchung des Herzens (EKG) und eine Laboruntersuchung an, die nahezu jedes Organsystem des Körpers abbildet. Bei Bedarf können auch die Hirnströme  (EEG) gemessen und eine Schichtuntersuchung (MRT) des Kopfes oder anderer Körperregionen durchgeführt werden. Schließlich stehen uns bei Bedarf auch alle anderen Abteilungen des Universitätsklinikums Würzburg beratend zur Seite. Die Behandlung von vegetativen Entzugssyndromen erfolgt in dieser Phase medikamentös. Hierbei geht es darum, dass der Körper vom Alkohol oder einer anderen konsumierten Substanz befreit (entgiftet) wird. 

Das Wesen der qualifizierten Entzugsbehandlung bedingt, dass psychotherapeutische und sozialpädagogische Maßnahmen bereits in der Phase der Entgiftung einsetzen, wenn die Bereitschaft für verhaltensändernde Maßnahmen erfahrungsgemäß am größten ist. Es gibt eine Vielzahl von Gründen, die zur Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung oder – mit anderen Worten – die in die Sucht führen. Diese mit Ihnen zu analysieren und Faktoren herauszuarbeiten, die die dauerhafte Abstinenz unterstützen können, ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit. Hierbei kommen verschiedenen psychotherapeutische Techniken zur Anwendung. 

Motivierende Gesprächsführung ist hierbei ein klientenzentrierter Ansatz zum Aufbau und der Aufrechterhaltung von Eigenmotivation. Sie vermittelt verschiedene Strategien zur Rückfallverhütung. Verhaltenstherapie fördert die subjektive Erwartung, die Verhaltensänderung selber bewerkstelligen zu können. Anwendung finden hierbei zudem kognitive Strategien, die auf eine Modifikation suchtspezifischer Gedanken abzielen und den Aufbau von alternativen hilfreichen Kognitionen anregen. Expositionstraining und individuelle Zukunftsplanung erfolgen. Individuelle Krankheitsmodelle mit auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren sind im Rahmen der individualisierten störungsspezifischen Verhaltenstherapie von hoher Relevanz. Elemente der störungsspezifischen psychiatrischen Kurzzeitpsychotherapie schließlich strukturieren den Therapieprozess. In diesem Rahmen werden Module wie Rückfallprophylaxe, Emotionen nicht mehr vermeiden, Zeit zwischen Gesprächen nützen und kraftspendende Rituale erarbeitet. Hierbei berückichtigen wir auch geschlechterspezifische Unterschiede des Abhängigkeitsverhaltens mit speziellen Gruppenangeboten. Psychosoziale Probleme werden gemeinsam mit dem sozialpädagogischen Dienst der Klinik einer systematischen Klärung unterzogen. 
In der sozialpädagogischen Behandlung wird nicht zuletzt auch die gezielte Aktivität eigenständig geplanter Freizeitgestaltung unterstützt.

Die Kernzeit der qualifizierten Entzugsbehandlung beträgt 14 Tage bei wenig komplizierten Entzugsbehandlungen, die jedoch ambulant nicht durchführbar waren. Nicht selten erschwerden jedoch ein körperlich-psychischer Entzug mit ängstlicher Verstimmung, Reizbarkeit und Schlafrhythmusstörungen, eine protrahiert verlaufende Entgiftungsphase, kognitive Beeinträchtigung zum Beginn der Behandlung oder eine sich demaskierende psychische Begleiterkrankung die Therapie. In diesen Fällen ist die qualifizierte Entzugsbehandlung in zwei Wochen nicht möglich und muss bzw. kann um eine weitere Woche verlängert werden. Unter Umständen kann diese letzte Phase der Behandlung auch teilstationär durchgeführt werden. 



Modul 3: Behandlung psychischer Komorbiditäten
Erweist sich eine psychische Begleiterkrankung als so ausgeprägt, dass eine ambulante Weiterbehandlung nicht ausreicht, erfolgt die Überleitung in eines der entsprechenden störungsspezifischen Programme unserer Klinik. Multimodale Konzepte umfassen hierbei pharmakologische und psychotherapeutische Behandlungen von komorbiden psychischen Erkrankungen. Bei Bedarf erfolgt hier die Weiterleitung an die Psychotherapiestation, eine der Schwerpunktstationen für affektive Erkrankungen oder die Schwerpunktstation für Psychoseerkrankungen. In weniger ausgeprägten Fällen, für die dennoch eine rein ambulante Behandlung nicht ausreicht, kann auch die Überleitung in die teilstationäre Behandlung einer unserer Tageskliniken (allgemeinpsychiatrisch, psychosomatisch, neurogerontopsychiatrisch) erfolgen. 



Modul 4: Nachsorge

Nach dem stationären Aufenthalt können Sie an einem speziellen Nachsorgeprogramm (ambulantes Stützprogramm) teilnehmen, das sich auf bis zu ein Jahr erstrecken kann. Es umfasst einen wöchentlichen Besuch der Integrationsgruppe sowie regelmäßige Blut- und Atemalkoholkontrollen. Bei erfolgreicher Absolvierung dieses Programms wird ein klinikeigenes Zertifikat ausgestellt, das die regelmäßiger Teilnahme und Nachweis der Abstinenz bescheinigt. 

Unser Behandlungsteam

Unser motiviertes und erfahrenes Behandlungsteam ist multiprofessionell und umfasst einen Oberarzt, zwei bis drei Assistenzärzte, zwei Psychologinnen, eine Sozialpädagogin und zehn Pflegekräfte, darunter einen Mentor und einen Fachpfleger für Psychiatrie. Alle Mitarbeiter der Station werden kontinuierlich über Suchterkrankungen weitergebildet. Die jährlichen  suchtmedizinischen Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen gehören dabei zu einer langjährigen Tradition unserer Klinik. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit den Selbsthilfegruppen und Suchtberatungsstellen für Menschen mit Suchterkrankungen im Raum Würzburg zusammen.

Leitung

Oberärztliche Leitung:

OA Dr. Dipl.chem. Polak

OA PD Dr. T. Polak 
Email: Polak_T@ukw.de

Stationsärzte:

J. Leinweber

J. Leinweber

E-Mail: Leinweber_J@ukw.de

S. Beckers


S. Beckers

E-Mail: Beckers_J@ukw.de

A. Logina

A. Logina
E-Mail: Logina_A@ukw.de

Psychologinnen:

Fr. Dipl.-Psych. Joachim

Fr. Dipl.-Psych. K. Joachim
Email: JOACHIM_K@ukw.de

Fr. Madita Schild

Fr. Madita Schild, Psychologin im Praktikum
Email: Schild_M@ukw.de

Sozialpädagogen:

Fr. Dipl.-Soz. Päd. (FH) R. Winner
Suchttherapeutin
Email: Winner_R@ukw.de

Pflegerische Stationsleitung:
Fr. J. Donat (Leitung)
Hr. Deckert (Mentor)